Opfikons Bevölkerung hat sich in den vergangenen 20 Jahren verdoppelt. Von ersten Nennungen in der Zeit des Römischen Reichs bis zum Bau eines ganzen Stadtquartiers hat Opfikon eine bewegte Geschichte hinter sich.
Autor: Dennis Baumann
Titelbild: Alter Dorfkern und Turm von Opfikon, 1953. Visualisierung: Dennis Baumann, Quelle: historisches Fotoarchiv Stadt Opfikon
Dichter Verkehr auf den Strassen, morgens bis abends Flugzeuge am Himmel und 21’425 Personen, die in Opfikon leben — so kennt man heute die Stadt zwischen Zürich und dem Flughafen. Dabei war das lange Zeit nicht die Norm. Vor 20 Jahren zählte Opfikon nur rund halb so viele Einwohnerinnen und Einwohner. Weitere 200 Jahre zurück und Opfikon war von den Ortsteilen Oberhausen und Glattbrugg politisch getrennt.

Stadtpräsident Roman Schmid (39) ist hier aufgewachsen und erinnert sich an die letzten Jahre vor dem rasanten Wachstum und weiss, was die Stadt in jüngster Vergangenheit dazu verholfen hat. «Opfikons Lage zwischen Stadt und Natur ist einzigartig. Der Einfluss vom Flughafen und der Stadt Zürich sind gross», sagt Roman Schmid.
Gemeint sind der steigende Durchfahrtsverkehr zum Flughafen und die zunehmende Anzahl Neuzuzügerinnen und Neuzuzüger aus der Stadt Zürich: «Die Mieten in der Stadt Zürich stiegen stark an. Der Wohnraum in der Agglomeration ist günstiger und zieht damit Leute an.» Raum geschaffen, um mit dem Wachstum Schritt zu halten, hat Opfikon unter anderem mit dem Bau des Quartiers Glattpark.

Die Stadt in der Stadt
Wo einst Kühe weideten, finden heute 7’000 Einwohner und Arbeitnehmer Platz — das Glattpark-Quartier ist Opfikons grösster Meilenstein der letzten zwei Jahrzehnte.
Eine zwölf Hektar grosse Wiese, ein künstlicher See, direkte Anbindungen mit dem öffentlichen Verkehr und Wohn- und Arbeitsraum für 7’000 Personen sind das Ergebnis eines der grössten Gebietsentwicklung der jüngsten Schweizer Geschichte. Das Glattpark-Quartier gehört politisch zu Opfikon, hat aber längst seine eigene Identität angenommen.
Als Wohnort, Arbeitsplatz und Naherholungsgebiet zugleich mit eigenen Läden, Restaurants, Freizeitangeboten, einem Schulhaus und vielen weiteren Dienstleistungen hat sich das Stadtquartier nahezu verselbstständigt.
Doch so wie Opfikon eine bewegte Geschichte hinter sich hatte, so war brachte auch die Entstehung des Glattparks seine ganz eigenen Herausforderungen mit sich. Beny Ruhstaller, ehemaliger Gebietsmarketingchef des Glattparks, kann sich an die ersten Etappen der Planung gut erinnern: «Was als spannendes Mandat anfing, wurde zu einem der prägendsten Teile meines Lebens.»
40 Jahre Planung
Was heute unter dem Namen Glattpark bekannt ist, hiess früher Oberhauserriet. Eine 670’000 Quadratmeter grosse Grünfläche, die schon Anfang des 20. Jahrhunderts Träume und Visionen versprach. Das Land wurde lange Zeit hauptsächlich landwirtschaftlich genutzt, doch in den Dreissigern begann die Stadt Zürich, Teile davon als Reserveland für unbestimmte Zwecke zu kaufen.
1957 dann das erste Quartierplanungsverfahren, das eine Industriezone mit 30’000 Arbeitsplätzen vorsah. Zahlreiche Rekurse verzögerten das Vorhaben und erst 1987 konnte eine Projekt erstellt werden, die mit Bevölkerung, Parlament und Grundeigentümer vereinbar waren. Das Konzept umfasste die Bereiche Arbeit, Wohnen, Quartierversorgung und Grünraum. «Heute kann ich sagen, dass wir diese Vision überaus zufriedenstellend umsetzen konnten», so Ruhstaller.
Aus der Wiese wird ein Quartier
Der Traum stand, nur musste er auch visualisiert und vermarktet werden. Ruhstaller stand dabei an vorderster Front: «Ziel war es, potenzielle Investoren zu überzeugen. Nur wenn Investoren an die Vision glauben, kann sie umgesetzt werden.» Mithilfe eines illustrierten Comics konnte er 14 Grundeigentümer für das Gebietsmarketing gewinnen und die Pläne konkretisieren. Ein Name, der das neue Gebiet treffend beschreibt, musste her: Die Marke Glattpark war geboren.
Nach der Verabschiedung des Quartierplans durch den Regierungsrat im Jahr 2000 kam der Stein ins Rollen. Der Spatenstich erfolgte nur ein Jahr später und bereits 2006 konnten die ersten Menschen in der neuen Siedlung einziehen. «Die Skepsis war am Anfang gross. Doch dem Glattpark konnte schnell Leben eingehaucht werden», sagt Ruhstaller.
2008 kamen Verkaufsflächen, eine Kinderkrippe, Restaurants und weitere Angebote hinzu. Der Glattpark ist heute nahezu vollendet. Mit den aktuelle geplanten oder sich bereits im Bau befindlichen Gebäuden sind bald alle Grundstücke auf dem Glattpark bebaut.
Die Römer kannten Glattbrugg
Bevor Opfikon die heutige Grösse erreichte und über eine Stadt innerhalb einer Stadt verfügte, war es ein langer Weg. Er reicht bis in die Antike zurück, wie der Gemeinde-Anzeiger Opfikons in seiner geschichtlichen Publikation «Opfikon Glattbrugg Oberhausen — einst und jetzt» im Jahre 1969 festhielt.
Dabei führt eine erste Nennung Glattbruggs ins Römische Reich zurück. In einem lateinischen Text war von einer «pontem fluvii, qui dictitur glat», übersetzt «Brücke über einem Fluss, die Glatt genannt wird», die Rede. Die Römer erbauten dabei eine Holzbrücke über der Glatt, die als wichtiges Verbindungsstück zwischen Zürich und dem Rhein diente. Der Name für den späteren Ortsteil Glattbrugg war damit geboren.
Den Ursprung der heutigen Stadt Opfikon liegt allerdings erst im 12. Jahrhundert. Eine Schenkungsurkunde aus dem Jahre 1153 nennt als älteste Überlieferung die alemannischen Siedlungen Obfinchoven, das östlich der Glatt liegt, und Obrenhusen, westlich der Glatt.
Die Region war vor allem geprägt durch die dort angesiedelten Bauern. Sie konnten sich über die Jahrhunderte gegen widrigste Umständen behaupten. Etwa 1764, als ein Dorfbrand Opfikons Wahrzeichen, den Kapellenturm, zerstörte und sie diesen 1822 in seiner heutigen Gestalt neu aufbauten. Oder 1799, zur Zeit der beiden Schlachten bei Zürich, wo Opfikon zu den am stärksten betroffenen Dörfern gehörte und 30 Hektar Getreidefeld verlor.
Das Leben in Opfikon war vor der Moderne einfach und bescheiden. Einblicke in das frühere Leben bietet das Ortsmuseum und Dorfträff Opfikon. Hier stossen Vergangenheit und Gegenwart aufeinander:
Ohne Stau nach Zürich fahren
Die Landwirtschaft hielt in Opfikon bis in die Moderne Einzug. Rund ein Dutzend noch aktive Landwirtschaftsbetriebe deuten heute auf diese Vergangenheit hin. Myrtha Ehrensperger (85) erinnert sich an eine Zeit, wo die heutige Stadt noch als Gemeinde galt und die Lebensmittel nicht beim Detailhändler, sondern beim Bauern nebenan eingekauft wurden. «Vieles gab es im alten Dorfkern. Zahlreiche Hofläden, eine Bäckerei, kleine Handwerksbetriebe — nur sind sie leider mit der Zeit ausgestorben», sagt Myrtha Ehrensperger.
Das Ortsbild im alten Dorfkern habe sich aber in ihrer Zeit kaum verändert. Hundertjährige Riegelhäuser und der Turm von Opfikon stehen heute noch. So überwiegen die Vorteile, die Opfikons Wachstum mit sich brachte. «Ich ging in Kloten in die Sekundarschule, weil es hier noch keine gab. Die Buslinie 759 gab es ebenfalls nicht, also ging ich zu Fuss oder mit dem Fahrrad», erzählt die 85-Jährige.
Generell war es auf den Strassen ruhiger. Der Durchfahrtsverkehr war geringer. Stau war in Opfikon lange Zeit ein Fremdwort. «Zürich erreichte man früher in knapp zehn Minuten», erinnert sie sich zurück. Heute sind die Strassen voller und auch der öffentliche Verkehr wurde ausgebaut. Opfikon verfügt über eines der dichtesten Netze an Bushaltestellen im Kanton Zürich.
Auch Stadtpräsident Roman Schmid erinnert sich an ein kleineres, aber auch lauteres Opfikon. «Obwohl heute mehr Passagiere fliegen, hat der Fluglärm abgenommen», so Schmid. Grund dafür ist eine bessere Auslastung der Flugzeuge und damit eine Abnahme der totalen Flugbewegungen über Opfikon. «Ich weiss noch, wie laut die Boeing 747 damals war. Heute sind die Triebwerke deutlich leiser», erzählt der Stadtpräsident aus seiner Kindheit.



Zwei Prozent Zuwachs pro Jahr
Mit dem Bevölkerungswachstum mitzuhalten, gilt weiterhin als grösste Herausforderung Opfikons. «Noch vor 20 Jahren gab es genügend Baufläche. Mittlerweile ist alles eingezont», sagt Schmid. Dabei rechnet das Stadtparlament mit einem Zuwachs von 1,5 bis 2 Prozent pro Jahr bis 2040. Ein Raumentwicklungskonzept soll ein qualitatives Wachstum ermöglichen.
Die Lärmschutzvorlagen vom Bund erschweren neue Bauvorhaben, doch wird bereits diskutiert, wo der Wohnraum ausgebaut werden kann. Eine mögliche Option wäre der Bau von zusätzlichen Stockwerken bei bestehenden Gebäuden. Auch das Gebiet zwischen Bahnhof Glattbrugg und Balsberg verspricht Potenzial.
Allerdings nennt der Stadtpräsident vorweg: «Wir müssen auch andere Räume, wie die Landwirtschaft und Natur aufrechterhalten. Meine Vision ist es nicht, dass Opfikon eines Tages auf 50’000 Einwohner anwächst.» Opfikon soll seinen einzigartigen Charakter nicht verlieren und weiterhin eine Stadt sein, die dem Druck der Stadt Zürich und dem Flughafen standhalten kann.

23-jähriger Kommunikationsstudent an der ZHAW, angehender Journalist und Fotograf mit einem Faible für das Lokale.