Völlig frei und einfach aus dem Flow heraus ein neues Musikstück kreieren. Das wollen Musiker:innen an einer Jamsession. Eine solche findet jeden Donnerstagabend in der Amboss Rampe in Zürich statt. Zuhören ist dabei genauso erwünscht wie Mitmachen.

Autorin: Lea Göldi
Bildbeschreibung Beitragsbild: Gleich geht’s los… Was jetzt passiert, weiss man erst, wenn es schon wieder Geschichte ist. Quelle: Mischa Müller

Die Instrumente liegen bereit. Die Stimmung im Publikum ist ausgelassen. Die Musikerinnen und Musiker sind startklar, um die Bühne zum Beben zu bringen. Die Jamsession kann beginnen.

Hier in der Amboss Rampe in Zürich treffen sich jeden Donnerstagabend Musiker:innen, um gemeinsam zu jammen. Das Genre geht in Richtung Fusion, eine Mischung aus Jazz, Funk und manchmal Rock. Die meisten spielen groovy und etwas kompliziert. Im Vordergrund der Session steht das gemeinsame Musizieren, das sich frei von vorgegebenen Strukturen entwickeln kann. Um bei dieser Jamsession dabei zu sein, muss man aber nicht unbedingt auf der Bühne spielen. Vor der Bühne geniesst ein ausgelassenes Publikum den Abend.

Jamsession kurz erklärt
Eine Jamsession ist ein zwangloses Zusammenspielen von Musiker:innen, die üblicherweise nicht in einer Band zusammenspielen und -singen.
Quelle: Wikipedia

  •  Alles dreht sich um das gemeinsame Musizieren. Quelle: Mischa Müller

Der Ablauf der Jamsession in der Amboss Rampe ist simpel: Der Abend wird von der Hausband eröffnet. Interessierte Musikerinnen und Musiker tragen sich mit Namen und Instrument in einer Liste ein. Anhand dieser Liste wählen die Organisatoren aus, wer als Nächstes auf die Bühne kommt. Das Ziel ist es, möglichst spannende Formationen zusammenzustellen. So entsteht das Programm des Abends. Ist eine Formation auf der Bühne, spielt sie in der Regel zwei Stücke zusammen. Danach werden neue Musikerinnen und Musiker auf die Bühne gebeten.
Je nach Organisation einer Jamsession kann dieser Ablauf variieren. Es gibt zum Beispiel Jamsessions, an denen die Musiker:innen die Bühne frei betreten dürfen.

Auf der Bühne

Eine Jamsession lebt von denen, die sie spielen. Hier an der Amboss Rampe sind es lokale und internationale Musiker:innen mit unterschiedlichem Hintergrund und Alter. Gemeinsam improvisieren oder interpretieren sie neue oder bereits bestehende Stücke auf der Bühne. Dafür stehen E-Gitarre, E-Bass, E-Piano, Mikrofon und verschiedene Drums bereit. Blasinstrumente wie zum Beispiel Saxofon oder Mundharmonika bringen die Teilnehmer:innen selbst mit.  
Wer den Schritt aus dem Proberaum auf die grosse Bühne wagt, kann sich vor dem Publikum ausprobieren und wird gesehen. Das entwickelt sich manchmal zu einer Chance für zukünftige Musikprojekte. Hier habe es schon einige neue Formationen zwischen Musiker:innen gegeben, so die Organisatoren der Jamsession.

Traust du dich beim Jam auf die Bühne? 🎸🎹🎺
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Auf der Bühne steht der Spass am gemeinsamen Jammen im Vordergrund. Das wird bei den Musiker:innen sichtbar. Die Gründe für diese Freude am Jammen sind sehr individuell. Zwei Musiker:innen erzählen im folgenden Videobeitrag mehr über die persönliche Bedeutung, die das Jammen für sie hat.

Oft fusionieren die neuen Konstellationen innert kürzester Zeit und es entsteht das Bild von einer langjährigen Band. Doch es funktioniert nicht immer gleich gut. Grundsätzlich steht die Jamsession in der Amboss Rampe allen offen. Aber, so die Organisatoren, der Jam soll ein gewisses Niveau behalten. Dieses wird von der Hausband bei der Eröffnung des Abends festgelegt. Die Jamsession sei für die Musiker:innen wie auch für das Publikum angenehmer, wenn alle auf einem ähnlichen Niveau spielen, sagen die Organisatoren.
Jamsessions unterscheiden sich immer in ihrem Niveau und in ihrem Musikstil. In Zürichs Jam-Landschaft ist vom Amateur-Jam bis zum hochprofessionellen Jam für alle etwas dabei.

Der Live-Auftritt

Der Saxofonist Mike Ryrie ganz in seinem Element. Quelle: Mischa Müller

Immer am Donnerstagabend mit anzutreffen, ist Mike Ryrie. Er ist Mitorganisator und spielt Saxofon in der Hausband. Wenn es im Laufe des Abends einen freien Spot auf der Bühne gibt, hört man ihn auch noch ein weiteres Mal mitjammen.
Er ist seit der Gründung des Jams im Jahr 2012 dabei. Damals fand die Veranstaltung noch in einem anderen Lokal in Wiedikon Zürich, statt. Er habe immer prognostiziert, dass diese Jamsession ein Hit wird. Dazu gehöre, dass die Musiker:innen Spass haben und ein Publikum den Raum fülle. Seine Prognose ist eingetroffen. 2019, kurz vor der Corona-Pandemie, ist der Jam in die Amboss Rampe umgezogen. Die Pandemie legte den Betrieb lahm. Kurz nach den Lockerungen der Einschränkungen sei die Jamsession dann richtig in den Schwung gekommen, berichtet Mike Ryrie: «Nach Covid ging es bei uns von 0 Prozent auf 150 Prozent hoch».

Viele Gäste der Jamsession hätten es vermisst, Livemusik zu hören und zu spielen. Für Mike Ryrie sei es sehr wichtig, dass es solche Orte gäbe, an denen man ohne Hürden einfach Musik machen könne. Die meisten Jamsessions in Zürich sind wie in der Amboss Rampe gratis zugänglich oder basieren auf einer Kollekte. Das heisst, alle können so viel zahlen, wie es ihnen wert ist. Mike Ryrie ist überzeugt, dass Jamsessions wichtig für die Musiklandschaft sind. Mehr dazu erzählt er im folgenden Audiobeitrag von Lea Göldi.

Seit zwölf Jahren organisiert Mike Ryrie nun diesen Jams. Das werde wohl auch noch einige Jahre so bleiben, sagt er. Besonders schön sei es, wenn Menschen ihm zurückmelden, dass dieser Jam ein spezieller Ort sei.

Vor der Bühne

«Solche, die vorher im Publikum waren, stehen auf einmal auf der Bühne», das Besondere an diesem Jam sei, dass sich das Publikum mit der Band vermische, sagt Mike Ryrie. Im Publikum befinden sich neben den Musiker:innen auch Menschen, die explizit zum Zuhören hier sind und solche, die für die Party vorbeikommen. Niemand wird hier gezwungen mitzuspielen. Die Stimmung ist ausgelassen. Es wird viel getanzt, geredet und der Musik gelauscht. Der Raum vibriert vor Freude.

Wenn sich die Jamsession in der Amboss Rampe langsam dem Ende zuneigt, ist das kein Grund zur Sorge. Der Jam findet jede Woche am Donnerstagabend statt.
Es gibt noch viele andere Jams in Zürich, die sehens- und hörenswert sind. Vielleicht ist es der Jazz-Jam im Moods, Zürich oder doch die Stubete im Restaurant Rössli in Seen. In der Jam-Agenda von Zürich ist für jeden Geschmack etwas dabei.

Jam-Agenda von Zürich